Klar, warum nicht, wird hier einer sagen. Nein, denn selig sind die geistig Armen, ein anderer sagen. Beides ist - nicht nur wegen dem vermurksten Zitat - anscheinend nicht ganz richtig, wenn man “Ein Nadelöhr für die Intellektuellen” bei .diskutabel liest.
Da mich das Thema interessiert und mir auch persönlich nicht ganz fremd ist, hier ein paar Einschätzungen und Kommentare dazu. Dabei will ich mich bewusst um die Frage, wer in diesem Kontext eigentlich als intellektuell gelten kann oder muss, drücken.
Intellektuelle werden überschätzt
Zumindest entspricht das in wesentlichen Teilen meiner Erfahrung. Neulich saßen wir zusammen und die Frage lag im Raum, wie es jedem einzelnen gerade geistlich geht. Ich erzählte, dass ich neulich “Darwin und die Götter der Scheibenwelt” gelesen habe. Anhand einer Story von Terry Pratchett schreiben der Genetiker Jack Cohen und der Mathematiker Ian Stewart (von dem ich “Galois Theory” letztes Semester mit sehr viel Genuss gelesen habe) über Evolution, Zeitreisen, Quantensachen und Logische Paradoxien. “Dieses Buch”, sagte ich, “hättet ihr wahrscheinlich nicht …”, ich suchte nach Worten, als auch schon mein Satz vollendet wird mit: “… verstanden.” Dabei wollte ich sagen: “… nicht für ein geistliches Buch gehalten.”
Warum bitte gehen meine Freunde davon aus, dass alles, was ich tue, bedenke oder lese, dermaßen abgehoben ist, dass sie es nicht verstehen würden? Gut, vielleicht würde es sie garnicht interessierren. Vielleicht halten sie es für unwichtig. Damit habe ich kein Problem. Aber wenn ich mit einem Gedanken aus mir herauskomme, dann bedenke ich auch, ob meine Umwelt ihn verstehen würde. Den Inhalt der erwähnten Galoistheorie würde ich in so einer Runde nämlich nicht in den Raum werfen in der Gewissheit, dass es den richtigen Augenblick, mit Leuten, die das verstehen, drüber zu reden, noch geben wird. (Nein wirklich, ich liebe diese Gespräche, aber dann zu zweit oder dritt, nicht in der großen Runde, wenn sich der Rest langweilt.)
Ich persönlich ärgere mich gelegentlich drüber, wenn soetwas geschieht.
Die Sache mit dem Grübeln
Ich persönlich grüble gerne. Über Fragen, die mich bewegen, die mein Leben aufwirft. Oft halten andere Menschen das für irrelevant, abgehoben, nicht weiter bedenkenswert.
Das stimmt - aus ihrer Sicht. Aber nicht aus meiner. Das sind die Fragen, die mich bewegen. Das sind die Fragen, die wichtig sind. Das sind die Fragen, in deren Antworten ich Gott erkenne. Ich reiße in diesem Zusammenhang Ps 111,2 gerne hemmungslos aus dem Zusammenhang:
Groß sind die Werke des HERRN; wer sie erforscht, der hat Freude daran.
In Wirklichkeit geht es in diesem Psalm zwar nur am Rande um Naturwissenschaft sondern um die Werke der Gerechtigkeit, Gnade und Barmherzigkeit, aber der Vers bewegt mich trotzdem. Wer über Gottes Werke nachdenkt, kann ihn darin erkennen. Dazu muss man natürlich nachdenken. Andere erkennen Gott in Blumen und Vögeln, in der Musik, in der Anbetung oder sonstwo. Ich auch, aber eben nicht nur.
(Ge-)Wissen
Trotzdem erwächst daraus nicht unbedingt Glaube. Ich meine echten, befreienden, vergebenden, ewigen Glauben. Pastor Wilhelm Busch schreibt in “Jesus, unser Schicksal” den Satz:
Glaube kommt nicht vom Wissen, sondern vom Gewissen.
Was er meint ist: Wissen ist zwar schön und gut, aber es ist keine Gotteserkenntnis, keine Erkenntnis meiner eigenen Sünde, keine Hingabe an Gott, sondern eben Wissen. Vielleicht fiel den Dreien im eingangs erwähnten Artikel ja deshalb das Glauben so schwer, weil sie nur Wissen kannten. Ich weiß, das ist reine Spekulation und ich bitte, es nicht gegen mich zu verwenden, aber ich halte es zumindest für möglich, dass Menschen, die viel Wissen und auf ihr Wissen und ihren Intellekt bauen, mit etwas so andersartigem wie Glauben in unserem Sinne heftige Probleme haben - vielleicht sogar, ohne genau zu sehen, was ihnen diese Probleme bereitet.
Und jetzt …
sind wir immer noch nicht weiter. Schade eigentlich. Trotzdem musste das hier einfach mal raus. Ich kann keine Anleitung geben, wie man die Situation in unseren Gemeinden, zumindest in solchen, wo sich Intellektuelle nicht wohl fühlen und nicht zum Glauben finden können, verbessern kann. Ich kann noch nicht einmal sagen, wie ich lieber behandelt werden würde. Eigentlich bin ich recht zufrieden mit dem Status Quo. Aber ich bin mir nicht sicher, ob das daran liegt, dass ich zufrieden bin, oder daran, dass es der Status Quo ist und ich zu faul um ihn zu ändern!!!!!
(Multiple exclamation marks are a sure sign for a diseased mind!)
(And all those exclamation marks, you notice? Five? A sure sign of someone who wears his underpants on his head.)
Achso
Fast hätte ichs vergessen: “Schlichter Glaube” von Storch. Er behandelt das Thema zwar aus einer anderen Perspektive, aber auf den Satz
Das Evangelium ist ganz einfach. Es ist in Ordnung Fragen zu stellen, aber vergiss darüber nicht, dass Gottes Liebe ganz einfach ist.
wollte ich noch kurz hinweisen.